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Tagebuch: Von Sonne, Gastfreundschaft und Ameisen im Badezimmer - Meine 2 Wochen in Afrika


Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich den Aushang am schwarzen Brett meiner Schule gesehen habe:

2 Wochen Häuser bauen in Botswana, im Süden von Afrika, mit der Organisation „Habitat for Humanity“.

Was mich bei Habitat for Humanity schon immer fasziniert hatte, war, dass man selber Menschen in Not hilft: ICH würde das Haus bauen, nicht nur einfach Geld an irgendeine Organisation spenden und nie das Ergebnis davon sehen. Dazu - Afrika! Eine neue Kultur kennen lernen und dabei noch etwas Soziales machen - ich war sofort Feuer und Flamme.


Nach einer Bewerbung, einem Gespräch und ein paar Monaten war ich wirklich in der Gruppe, ich war eine von 14 Schülern, die nach Afrika fahren würden! Schnell waren die Koffer gepackt und dann saßen wir auch schon in unserem Flieger ins große Abenteuer. Die Reise ging von Genf nach München, und dann über Nacht von Samstag auf Sonntag nach Johannesburg, Südafrika. Da hätten wir dann fast das Flugzeug nach Gaberone, Botswana, verpasst, aber mit ein bisschen Laufen und viel Überzeugungskraft beim Flughafenpersonal hatten wir dann auch noch zeitig den Rest unserer Reise geschafft und konnten endlich in dem kleinen Hotel in Botswanas Hauptstadt einchecken.


Was sofort auffiel war die Sonne, die sehr viel stärker schien als in Europa, wobei die Temperatur insgesamt eigentlich nicht viel wärmer war. Den ganzen Sonntag haben wir dann zum Erholen und zum Eingewöhnen genutzt, abends waren wir alle zusammen essen. Montag wurden Wasser und Lebensmittel in einer großen Shoppingmall gekauft, die eigentlich eher nach Amerika als nach Afrika passen würde. Danach sind wir zu unserem Endziel aufgebrochen - Molepolole, die kleine Stadt, in der wir auch unsere 2 Häuser bauen würden.

Die Arbeit beginnt
Am Dienstag ging dann unsere Arbeit los: Morgens brachen wir auf zu der ersten Baustelle, in der Mitte vom Nichts gelegen: Es gab einfach nur eine riesige Menge Backsteine, ein großes Viereck als Umriss des Hauses, in dem Sand aufgebahrt war, und ein seperates kleines Klohaus. Wenn ich den Tag zusammenfasse, würde ich sagen, dass wir die meiste Zeit Backsteine geschleppt und mit dem Bau der Mauern angefangen haben. Abends waren wir alle total erschöpft und wollten eigentlich nur noch ins Bett, und so ging es auch am Dienstag. Die Muskeln haben geschmerzt und der ein oder andere hatte auch einen Sonnenbrand, aber hey, wir waren in Afrika!

Besuch beim Bürgermeister                                                                                                                         Wir haben immer mehr von der fremden Kultur lernen können, Mittwoch trafen wir morgens den Bürgermeister der Stadt Molepolole. Er hieß uns offiziell willkommen, beantwortete unsere Fragen und erzählte von seiner Amtszeit und davon, was er davor gemacht hat. Der Bürgermeister wird nämlich dort nicht gewählt, sondern das Amt wird weitergereicht von Vater zu Sohn! Er war sehr freundlich und bemüht und hat uns –wie eigentlich alle Afrikaner- sehr viel Gastfreundschaft spüren lassen.

Besuch in einem Waisenhaus
Ein anderes prägendes Erlebnis des Trips war ein Besuch in einem Waisenhaus für kleine Kinder. Wir waren alle sehr überrascht, als wir statt wie erwartet 40 oder mehr Kindern, nur 10 antrafen, alle um die 3 Jahre alt. Ihre Eltern waren an HIV, Aids, gestorben, und sie verbrachten den Tag in dem Waisenhaus und waren nachts in einer Pflegefamilie untergebracht. Das Haus war in sehr gutem Zustand, und die Kinder –zwar am Anfang noch recht schüchtern - tauten sehr schnell auf und spielten mit uns. Aus der Schweiz hatten wir ein paar Geschenke, Kuscheltiere und Brettspiele, mitgebracht, und jedem der Kinder wurde ein Kuscheltier überreicht. Es hat mich wirklich berührt zu sehen, wie sogar ein Mädchen, das vorher weder geredet noch gelächelt hatte, beim Anblick ihres kleinen lilafarbenen Elefanten angefangen hat zu strahlen. Leider konnten wir nur für ca. 2 Stunden da bleiben, dann ging es wieder zurück zur Arbeit.

Beim afrikanischen Fußballspiel
Samstagnachmittags sind wir zu einem Fußballspiel gefahren, die u-19-teams Botswana gegen Simbabwe. Ein bisschen komisch war, dass sich alle Aufmerksamkeit, als wir ins Stadion kamen, plötzlich auf uns gerichtet hat, und die Leute plötzlich UNS zugejubelt haben, und nicht mehr ihrem Team. Wir waren offensichtlich die einzigen Europäer im ganzen Stadion… Leute wollten unsere Hände schütteln, Fotos mit uns machen oder sich einfach mit uns unterhalten. In der Halbzeitpause wurden wir Zeugen einer Aufführung eines traditionellen Stammestanzes, der wohl als Pausenfüller gedacht war: Drei Männer und drei Frauen, mit relativ wenig Kleidung am Leib, tanzten auf dem Spielfeld und heizten der Menge ein. Nach dem Spiel tanzten die Leute auf den Straßen, und wieder wurden wir wie eine große Attraktion behandelt. Es war ein wirklich beeindruckendes Erlebnis.

Tanz und Gesang in der Kirche
Ebenso beeindruckend war auch der Besuch der Kirche am nächsten Tag: Die Menschen in Botswana sind sehr fromm, und da Palmsonntag war haben wir zuerst an der Bittprozession und dann an der Messe teilgenommen. Es wurde sehr viel mehr gesungen und getanzt als in den deutschen Gottesdiensten, die Leute waren viel spontaner und es hat einen alles sehr mitgerissen. Wir wurden zuerst vom Pfarrer begrüßt und dann wurde uns noch ein Lied gesungen „we welcome you“. Nach der Messe trafen wir noch auf ein paar Menschen aus der Kirche und unterhielten uns mit ihnen. Es war sehr interessant, die Leute waren sehr neugierig und wollten viel über uns und unsere Kultur herausfinden.


Am Nachmittag stand die Besichtigung eines traditionellen, alten Dorfes auf dem Plan: Es gab kaum Elektrizität, gekocht wurde in einem Kessel über dem Feuer, die Einrichtung war spartanisch und simpel. Dieser Ausflug hat uns noch einmal die traditionelle Lebensweise der Afrikaner vor Augen geführt und zumindest ein paar unserer Klischees bestätigt.

Der Hausbau geht weiter
Nachdem wir den Anfang der nächsten Woche ausschließlich mit Bauen und Arbeiten verbracht hatten, stand die Mauer schließlich! Die Fenster- und Türrahmen waren eingesetzt und das Haus war nun unterteilt in 3 Räume. Das zweite Haus, das wir auch schon angefangen hatten, hatte auch schon hohe Wände, der Boden war fertig und auch die Toilette war schon im Bau.Wir fingen auch schon damit an, die Wände von außen mithilfe eines Gerätes mit Farbe zu bespritzen, aber leider kamen wir aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nicht besonders weit. Donnerstag war dann schließlich der Tag der Einweihung, auch wenn das Haus an sich noch nicht ganz fertig war und noch kein Dach hatte.

Wir übergaben der Familie Geschenke, Postkarten aus unseren Ländern und als besonderes Geschenk einen aufblasbaren Globus, auf dem jeder von uns der Familie zeigen konnte woher er kommt. Nachdem noch kleine Reden gehalten wurden - und auch die ein oder andere Träne geflossen war -  war es nun für uns leider an der Zeit, Abschied zu nehmen.

Die Reise geht leider zu Ende
Als wir im Bus zurück nach Gaberone saßen, kam es uns vor, als würden wir Meter für Meter zurück in eine andere Welt fahren. Natürlich war es noch Afrika, aber die Hauptstadt von Botswana unterscheidet sich schon sehr von Molepolole. Abends gingen wir noch einmal alle zusammen essen, dann war es auch schon Freitag - und damit der letzte offizielle Tag in Afrika.


Um diese erfahrungsreichen und unvergesslichen zwei Wochen ausklingen zu lassen stand am letzten Tag noch eine kleine Safari auf dem Programm. Allerdings hatten wir entweder zu hohe Erwartungen, oder vielleicht auch einfach nur Pech oder einen schlechten Tag erwischt aber wir sahen kaum exotische Tiere wie Raubkatzen oder Giraffen, dafür aber Straußen, Paviane, Hyänen und noch andere in freier Wildbahn lebende Tiere. Als es dunkel wurde, wurden wir plötzlich in der Mitte des Parks ausgesetzt, wo ein typisch afrikanisches Barbecue auf uns wartete. Insgesamt verbrachten wir noch einen sehr schönen, letzten Abend am Lagerfeuer unter den Sternen, mit viel Gelächter und sehr guten Erinnerungen.


Der nächste Tag wurde dann morgens noch zum Shoppen genutzt, nachmittags mussten wir dann auch schon wieder zum Flughafen fahren und ließen Sonne, das afrikanische Lachen und den fernen Kontinent hinter uns. 

 

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Weitere Informationen zur Schulbaureise erhalten Sie von Ana Baldivieso unter Tel.: 0221 579595-16 oder anabaldivieso@hfhd.de