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Haiti – zwei Jahre nach dem Erdbeben

Habitat for Humanity hilft in Haiti durch eine Vielzahl koordinierter Maßnahmen

Zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti leben immer noch eine halbe Million Menschen in baufälligen und unsicheren Häusern. 80 - 90 Prozent aller Häuser wurden am 12. Januar 2010 durch das Erdbeben zerstört. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Wiederaufbauarbeiten in Haiti noch lange nicht abgeschlossen sind und dass das ohnehin schon zu den ärmsten Ländern der Welt zählende Land Haiti auch weiterhin Hilfe benötigt. Aber vielen Menschen konnte auch schon geholfen werden:

Allein vom Habitat for Humanity Wiederaufbau-programm haben insgesamt innerhalb der letzten zwei Jahre 40.000 Familien profitieren können. Sie erhielten Nothilfe-Sets zum Reparieren der Häuser, kamen in Notunterkünften, Übergangshäusern und inzwischen auch dauerhaften Häusern unter. Andere erhielten Schulungen im Bau von Häusern und wiederum andere erhielten feste Arbeitsplätze bei Habitat for Humanity. Es ist wichtig, dass die Haitianer in die Wiederaufbauarbeiten mit eingebunden werden, erdbebebensichere Baukenntnisse erhalten und Arbeitsmöglichkeiten haben, damit die Wirtschaft langfristig wieder aufgebaut werden kann.

In den vergangenen 24 Monaten hat Habitat für Humanity intensiv mit Partnerorganisationen und der Haitianischen Regierung zusammen gearbeitet und hat durch koordinierte Maßnahmen folgendes erreicht:

  • 24.500 sogenannte „Shelter Kits“ mit Planen und Werkzeugen wurden an Familien nach der Katastrophe verteilt, weitere 3.300 Shelter Kits sind für weitere Notfälle gelagert.
  • Über 4.000 Familien erhielten inzwischen Übergangshäuser bzw. erweiterbare Häuser.
  • 150 dauerhafte Häuser wurden errichtet
  • 12.000 Schadenseinschätzungen an Häusern wurden durchgeführt, um abzuschätzen, welche Häuser abgerissen und welche lediglich repariert werden müssen.
  • Über 350 Häuser wurden repariert.
  • 700 Haitianer fanden eine feste Anstellung bei Habitat for Humanity.
  • Über 4.450 Haitianer erhielten Schulungen in Schadenseinschätzung, Zimmerei- und Bauarbeiten sowie Finanzen und Geschäftsentwicklung.

40.000 Familien bzw. 200.000 Personen haben durch diese Leistungen Hilfe erfahren.

„Wir sind für die Unterstützung, die Habitat for Humanity von Spendern, Unterstützern und Freiwilligen erhalten hat, sehr dankbar", betont Mark Andrews, Vizepräsident des Haiti-Programms von Habitat for Humanity. „Ohne deren Beitrag wäre unsere Nothilfe nicht möglich gewesen. Wenn wir weiterhin großzügig unterstützt werden, hoffen wir, noch mehr Familien als ursprünglich geplant helfen zu können.“

Hilfe für Haiti von Habitat for Humanity Deutschland

Habitat for Humanity Deutschland erhielt im Geschäftsjahr 2010/2011 großzügige Spenden für den Wiederaufbau Haitis. Alle Mittel flossen in ein Großprojekt, das sowohl von deutschen als auch internationalen Partnern unter­stützt wird. Mit den finanziellen Mitteln werden sowohl erweiterbare Übergangshäuser und umfangreiche Wasser-und Sanitäranlagen gebaut, als auch Service- und Gemein­deleistungen der Habitat Resource Center finanziert.

Durch großzügige Unterstützung der Deutsche Bank Stif­tung, des SAP Solidarity Fund e.V., der Munich Re, der NAK Karitativ e.V. und auch vieler Privatspender konnte innerhalb dieses Großprojektes 525 Familien geholfen wer­den.

Bereits im Finanzjahr 2010 erhielt Habitat for Humanity Deutschland über seinen Kooperationspartner humedica Zuwendungen vom Auswärtigen Amt für die Verteilung von 2.727 „Shelter Kits“.

Erste dauerhafte Habitat for Humanity Häuser im Jimmy Carter Work Projekt 2011

Im November 2011 wurden nach vielen Verzögerungen aufgrund ungeklärter Landrechte in Haiti die ersten 100 von 500 geplanten dauerhaften Häusern nahe Léogâne gebaut. Neben Jimmy Carter und seiner Frau halfen fast 500 Freiwillige tatkräftig  bei einem der bekanntesten jährlichen Bauprojekte, dem Jimmy Carter Work Project, mit.  In den dortigen Häusern können künftig etwa 2.500 Menschen leben.

„Wenn wir die Verwüstungen sehen, so fühlen wir uns verpflichtet zu handeln. Wir müssen den haitianischen Einwohnern helfen, ihr Zuhause wieder aufzubauen. Meine Frau Rosalynn und ich sind sehr dankbar für das Engagement aller Habitat for Humanity-Freiwilligen und der helfenden Familien in Haiti“, sagte Jimmy Carter.

Lokale und individuelle Bedürfnisse in Haiti werden berücksichtigt

Besondere Bedeutung kommt den fünf im Land aufgebauten Habitat Resource Centers (HRCs) zu: Hier wird flexible Hilfe mit Berücksichtigung von lokalen und individuellen Bedürfnissen gewährleistet. Durch engen Kontakt zu den Gemeinden können die am schlimmsten betroffenen Familien schneller ausfindig gemacht und Prioritäten beim Wiederaufbau gesetzt werden. Die HRCs bieten neben dem Wiederaufbau Hilfestellungen durch Schulung, Ausbildung und Einstellung von Haitianern. Hierdurch trägt Habitat for Humanity zum langfristigen und nachhaltigen Wiederaufbau bei, die Baubranche wird nachhaltig entwickelt und die Qualität des Hausbaus verbessert. Jede Woche erhalten etwa 100 Familien Hilfestellungen in verschiedenen Bereichen.

Noch immer ist über eine halbe Million Haitianer obdachlos

Trotz aller Anstrengungen leben zwei Jahre nach dem Erdbeben noch immer über 500.000 Haitianer ohne ein festes Dach über dem Kopf. Unmittelbar nach der Katastrophe waren über 2 Millionen Menschen obdachlos. Damals half Habitat für Humanity, Bauschutt von Häusern zu entfernen und animiert Familien, die nicht von dem Erdbeben betroffen wurden, Betroffene bei sich aufzunehmen und beim Bau der Übergangshäuser mitzuwirken. Mit den Werkzeugen und Materialien der „Shelter Kits“ konnten Familien Notunterkünfte bauen, sofortige Reparaturarbeiten durchführen und bei dem Bau von Übergangshäusern mithelfen.

Die Übergangshäuser wurden so konstruiert, dass sie leicht abgebaut und an einem anderen Ort wieder aufgebaut sowie in dauerhafte Häuser umgebaut werden können. Langfristig plant Habitat for Humanity in Haiti nun, dauerhafte, hurrikan- und erdbebensichere Häuser aus Zement zu bauen.

Landbesitz oft ungeklärt

Trotz aller Erfolge gab es vielfältige Probleme. „Zum Beispiel bleibt es durch ungeklärte Besitzrechte der Grundstücke weiterhin eine kritische Angelegenheit, die Übergangshäuser und dauerhafte Häuser zu bauen", so Claude Jeudy, Nationaldirektor von Habitat for Humanity Haiti. „Habitat arbeitet intensiv daran, Land für die besitzlosen Familien zur Verfügung zu stellen und setzt sich für eine Errichtung eines klaren, gerechten Landrechts ein."

Landbesitz war schon vor dem Erdbeben eine komplizierte Angelegenheit in Haiti. Auf Grund der hohen Anzahl an Verunglückten ist es heute noch schwieriger, diese zu klären. Bei vielen Grundstücken gibt es kein klares Eigentumsverhältnis. Viele Tote wurden während des Erdbebens nicht dokumentiert, was es den Erben sehr kompliziert, wenn nicht unmöglich macht, Rechtsansprüche auf Land zu stellen. In dem gegenwärtigen System war es sehr schwer, einfachen und klaren Zugang zu Land zu haben. Habitat for Humanity ist es nicht möglich, dauerhafte Häuser zu bauen, wenn die Menschen das Land nicht besitzen. Hier entstanden gravierende Verzögerungen. Erschwerend kam auch noch der Mangel an bestehenden oder durchsetzbaren Bauvorschriften, einschließlich des Fehlens von Bestimmungen zur Erdbebensicherheit, hinzu.

Schon vor dem Erdbeben waren viele Behausungen in einem schlechten und menschenunwürdigen Zustand waren und konnten deshalb Naturkatastrophen nicht standhalten. Außerdem fehlte eine umfassende und aktuelle Stadtplanungsstrategie im Land, was bedeutet, dass wenig bis gar keine strategische Entwicklung und Risikomanagement betrieben wurde. Das führte dazu, dass extrem risikoreiche Siedlungen an Hängen und Erhebungen  im Stadtgebiet entstanden.

Aus- und Weiterbildung von Haitianern

Ein weiterer Bereich, in dem Habitat for Humanity in Haiti arbeitet, ist die Aus- und Fortbildung der haitianischen Bevölkerung. Über 3000 Haitianer erhielten Schulungen zum Thema erdbebensicheres Bauen. 1400 Haitianer wurden in grundlegenden Rechenkenntnissen und Finanzplanung geschult. Zudem wurden 700 Haitianer direkt bei Habitat for Humanity angestellt. 60 Prozent der Menschen in Haiti sind arbeitslos. Habitat for Humanity leistet hier einen Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Haitis.

Bekämpfen der Cholera direkt nach der Katastrophe

Im Kampf gegen die tödliche Cholera hat Habitat for Humanity zusammen mit seinen Partnern durch den Bau von mehr als 200 Toiletten sowie durch Hygieneschulungen und 750 Hygiene-Kits für Haushalte an einer Eindämmung der Krankheit mitgewirkt. Das ist umso wichtiger, als mit dem Einsetzen der Regenzeit im Frühjahr wieder eine neue Cholera-Epidemie droht.

Mehr Spenden werden benötigt!

Die Menschen in Haiti benötigen weiterhin dringend Hilfe. Noch immer sind über 500.000 Menschen obdachlos. Helfen Sie mit einer Spende an Habitat for Humanity, damit weiteren Menschen durch den Bau von Übergangs- und Basishäusern geholfen werden kann!

Betreff: Nothilfe Haiti
Spendenkonto: 105894001
BLZ: 10070024, Deutsche Bank

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Auf der Baustelle in Léogâne

Die Häuser sind fast fertig gestellt

Haitis Flagge vor neuen Häusern

Partner der Nothilfe